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Die Entführung oder Das Lustspiel ohne Dame.

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Todt! Der Mann wäre denn nun hinüber. Alle Menschen sind sterblich. Untergegangen mit Mann und Maus in der Bai von VeraCruz. Sie werden wohl von dem großen Sturme in den Westindischen Gewässern gehört haben.

Eduard.

O weh! O weh!

Trimborn.

Ja, dem spielt man nun keine Streiche mehr. Na, Friede seiner Asche!

Eduard.

Und Sie kommen -

Trimborn.

Komme statt seiner aus - aus Mexico. Ja, mein Herr, ich werde gewissen Leuten im Wege stehn.

Eduard. (b. S.)

Gewißen Leuten - Im Wege stehn - meine Ahnung - Freund des Vaters - die gewaltige Entrüstung - es ist, so wahr ich lebe, ein Nebenbuhler!

Trimborn (b. S.)

Er ist bestürzt! Nun, Bürschchen, fürchtet Ihr Euch? Ihr wißt nun, daß der Hafen nicht ohne Deckung ist. (laut) Also, mein Herr, Ihr Kumpan und Sie, Sie brauchen sich gar nicht zu incommodiren!

Eduard.

Sie gehn nach Brochwitz?

Trimborn.

Ja wohl.

Eduard.

Bleiben vermuthlich dort?

Trimborn.

O ja! Gedenke sogar, mich dort niederzulassen.

Eduard.

Sie scheinen ein sehr lebhaftes Interesse an dem Fräulein zu nehmen.

Trimborn.

Getroffen! Ihr Vater könnte kein lebhafteres an ihr nehmen. Wissen nun hoffentlich genug.

Eduard.

Ach ja freilich. (b. S.) Verdammte abgedroschne Geschichte. Der eine Alte hat dem andren Alten seine Tochter drüben überm Meere verhandelt. Nun kommt der Störenfried und holt uns das Mädchen weg!

Trimborn.

Aus der Sache heute Abend in Brochwitz, wird also, wie Sie sehen, nichts.

Eduard.

Nein; leider! Statt der Comödie bringen wir ein Trauerspiel.

Trimborn.

Wie so?

Eduard.

Mein Freund wird sich mit Ihnen schlagen!

Trimborn.

Kann geschehn.

Eduard.

Und mit mir müssen Sie sich schießen!

Trimborn.

Kann auch geschehn.

Eduard.

Denn er ist Romeo und ich bin sein Mercutio!

(Ab durch die Mittelthür).

Fünfte Szene.

Trimborn (allein)

Seid Ihr meinetwegen Romulus und Mercurius! Vor Euren Degen und Pistolen fürchte ich mich nicht. Capitain Trimborn, Capitain Trimborn! Das war ein Meisterstück in der Manier, sich zu benehmen! Die saubern Zeisige sind erschreckt, und alles geht ohne Eclat ab. Dafür warst Du aber auch immer bekannt, eine Sache so hübsch sauber, sachtsam und sanft abzuthun. - Aber welch ein Glück, daß ich grade hier im rechten Augenblicke eintreffen muß. Kam ich später, so hatten wir heute Abend die Entführung, und an meinem Mädchen klebte der Schmutzfleck. Wer weiß, ob sie Falten noch genommen hätte, wenn sie einmal in Sonnensteins Händen gewesen wäre. - Potz Krokodile und MeerOtter, Potz Bogspriet und Fockmast, welche Zucht in dem alten Europa! Das geht ja hier zu, wie in Sodom und Gomorrha. Im Kaffeehause, vor aller Welt sprechen die Wüstlinge von Sünde und Schande, wie von einer TanzParthie, oder von einem Rubber Whist. Nichtswürdige Wirthschaft, verderbte Welt! - Nun, alter Schwätzer, laß das Schwätzen! Bring Alles mit Manier auch nun zu Ende! Die Galgenvögel sind von der rechten Fährte ab, unterdessen schaffe ich (er zieht die Papiere heraus) das hier in Sicherheit. Dann ist mein Herz frei, und Ihr sollt den Vater kennen lernen!

(die Papiere betrachtend)

Hm! Hm! Wohin bringe ich Euch denn? Pizarro ist verreist, und keine Menschenseele habe ich zum Freunde in dem großen weitläuftigen Neste. - Hm! habe ich keinen Freund, so habe ich ja einen Schwiegersohn in spe. - Hm! Sonderbar ist's freilich, mit solchen Confidencen die Bekanntschaft zu beginnen; aber was hilft's? Ich muß den Ballast über Bord werfen, und habe nur eine Luke dazu! Also: die Anker gelichtet, und zu Falten gesteuert! Er soll die Papiere mir aufheben.

(Ab durch die Mittelthüre.)

Sechste Szene.

Petit (tritt auf mit einem Buche, und einem Bleistifte.)

Na, de Gläser wären gespült, de Tassen reene gemacht, jetzo werf ik mir den Musen in de Arme. Nun wollen wir uns uf de Menschenbeobachtung legen. Ik weiß schon, dieser Mann soll in meinem Roman der verstellte Todte seyn, denn er hat auch so eenige Züge von 'n Vampyr.

(Er sieht sich um.)

Ach Gott! Wo is er? Weg is er. Ach Gott, wo blieb er? Diesesjenige wissen de Götter. - Weene Betit, Du bist zum Unglück geboren! Es führt Dir Gott denselbigen Mann her, und nu kann ik ihn nich ufschreiben hier in mein Skizzenbuch, denn weg is er. Weene Petit! Aus Dir wird zeitlebens keen Washington Irving, Dein Schicksal unterdrückt Dir zu sehr.

(Er sieht sich um)

O Freude, schöner Götterfunken! Da kommt ja der Mann wieder!

(Er setzt sich an einen Tisch seitwärts im Hintergrunde, beobachtet während der folgenden Szene den Cap. Trimborn, und schreibt in seinem Buche.)

Siebente Szene.

Capitain Trimborn. Petit.

Trimborn.

Verdammter Streich! Falten nicht zu Hause. Bleibt denn der Wind heute den ganzen Tag contrair? Potz Bogspriet und Fockmast! Werde ich die vertrackten Papiere nicht los werden?

Petit (schreibend)

"Potz Bogspriet und Fockmast!" Das ist ein ganz neumodigter Fluch! Den bring' ik an.

Trimborn.

Hätte ich nur Jemand, den ich schicken könnte, Falten zu benachrichtigen. Mein Jack ist zu dumm.

Petit. (schreibend)

"Sein Jack ist zu dumm!" Dat bring' ik auch an.

Trimborn.

Unterdessen plaudert er, und die Rotte erfährt, daß Capitain Trimborn, aus seinem Grabe erstiegen, hier umherwandelt.

Petit.

Na, da haben wir det liebe Gut. (schreibend) Ein verstellter Todter, mit Fleisch und Knochen, wie er leibt und lebt. Der paßt ja wie gegossen in meinen Roman. Und wie er so trätschelbeinig geht, det bring' ik Alles an.

Trimborn.

Das Beste ist, ich fahre auf der Stelle nach Brochwitz, dort verstecke ich die Papiere in einem hohlen Baume, und lasse Pizarro heimlich hinkommen.

Petit (schreibt)

"Unse Pudel, der Pizarro soll ihn besuchen in Brochwitz." Dat is so wat Geheimnißvolles, dasjenige giebt erst de rechte Sauce zu so 'ner Sache.

Trimborn

So will ich denn -

( Er wendet sich um, sieht Petit schreiben, und erschrickt.)

Ha! Du da? Was machst Du da?

Petit.

Ik beobachte Se.

Trimborn.

Du beobachtest mich?

Petit.

Ja, un ik weeß Alles. Un Se sind mein verstellter Todter.

Trimborn.

Donner!

Petit.

Un Se haben Papiere bei sich.

Trimborn.

Wetter!

Petit.

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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